Tschüss Divertikulitis!

In diesem Forum geht es um den Lebensalltag mit Divertikulose und Divertikulitis. Ich berichte dabei als Patient, gebe Tipps und stelle mein in Deutschland und USA gesammeltes Wissen zur Verfügung.

Vorne weg: Ich bin kein Arzt. Dieses Forum oder ein Gespräch mit mir ersetzt nicht den Arztbesuch. Wenn Sie sich krank fühlen, gehen Sie zu Ihrem Arzt und lassen Sie sich untersuchen. Befolgen Sie die Behandlungsempfehlungen Ihres Arztes. Die nachfolgende Information stellt keine Anleitung zur Selbstdiagnose oder zur Eigenbehandlung dar. Ggf. helfen Ihnen diese Informationen sich mit der Diagnose Divertikulitis auseinander zu setzen und die bekannten Hintergründe von Divertikultis in Ihrem Lebenszusammenhang einzuordnen.

In der S2k Leitlinie Divertikulitis der ärztlichen Fachgesellschaften DGVS und DGAV werden Empfehlungen an die Ärzte zu Symptomatik, Diagnose und Behandlung von Divertikulitis ausgesprochen, aber es soll auch dem interessierten Patienten der Stand der Heilkunst vermittelt werden. Zum Einstieg greifen wir folgende Aussagen auf:

„Statement 3.10: Es gibt Hinweise darauf, dass die Lebensqualität nach akuter Divertikulitis reduziert ist.“

Das trifft für viele, aber nicht alle Patienten zu. Wie sieht es bei Ihnen aus? Jedenfalls sollte man die Symptome Ernst nehmen. Ich vermute, Sie informieren sich hier, um Ihre Krankheit im Lebensalltag besser zu bewältigen.

„Statement 3.16: Die Symptomatik der symptomatischen unkomplizierten Divertikelkrankheit zeigt eine Überlappung zum Reizdarmsyndrom.“

Das klingt kompliziert, hat aber etwas Gutes: Das Reizdarmsyndrom ist durch die Ernährung beeinflussbar. Was hilft bei Divertikulitis? Da gehen die Meinungen noch ausseinander, aber gesunde Ernährung schadet nicht. Es ist daher wichtig sich mit den Details zu beschäftigen:

Der erste Schritt, den Ihnen Ihr Arzt ggf. zur Behandlung akuter Divertikulitis empfiehlt, ist flüssige Ernährung für 2-3 Tage. Durch das strenge Fasten muss der Darm keine feste Nahrung mehr verarbeiten. Diese Flüssigdiät oder neudeutsch „clear liquid diet“ leert den Darm. Ein leerer Darm fördert das Abklingen der akuten Entzündung der Darmdivertikel.

Ggf. gibt Ihnen Ihr Arzt zur Flüssignahrung Antibiotika dazu, damit die Entzündung schneller abklingt.

In Abstimmung mit dem Arzt erfolgt nach der Phase mit flüssiger Kost dann ein langsamer Aufbau der Ernährung mit möglichst wenig Ballaststoffen.

Wichtig ist auch, dass Sie im Anschluss an die Erholung ihren Darm dauerhaft pflegen, sehr gut kauen und auf eine ballaststoffreiche, gut verträgliche Ernährung umstellen.

Teilweise werden auch Darmspülungen empfohlen, um eine stabilere Darmgesundheit zu erreichen, mit Glaubersalz oder durch Einlauf. Einläufe waren über Jahrhunderte üblich. Allerdings war die Sterblichkeit früher auch viel höher. Fragen Sie daher Ihren Arzt, ob bei Ihrem Gesundheitszustand etwas gegen diese Darmspülungen spricht.

Die in den 1950er Jahren und früher Geborenen erinnern sich noch wohl (oder übel 🙂 an Einläufe als Mittel gegen „Bauchweh“. Ob die Zunahme der Zivilisationskrankheiten mit der Abnahme der Einläufe als Hausmittel korreliert und gar kausal verbunden ist, das bleibt Spekulation.

Einige empfehlen Aloe Vera, um Divertikultisschübe zu reduzieren, aber eine Dauereinnahme kann den Kaliumhaushalt stören und zu häufigen Kopfschmerzen führen.

Jedenfalls aßen die Leute früher viel frisches Sauerkraut mit Milchsäurebakterien. Der Aufbau der Darmflora durch Probiotika (wie Milchsäurebakterien) und Prebiotika ist heute medizinisch anerkannt und kann ebenfalls helfen.

Die Ärztin Robynne Chutkan geht in ihrem Buch „The Microbiome Solution“ in Kapitel 13 soweit, Stuhltransplantationen für ausgewählte Darmkrankheiten zu empfehlen, weist aber gleichzeitig auf das Risiko hin, Krankheiten vom Donor ungewollt zu übertragen. Risiken und Nebenwirkungen der Stuhltransplantation sind noch nicht vollständig geklärt.

Probiotika sind hingegen ein unbedenkliches Nahrungsergänzungsmittel, das die Darmflora verbessern kann. Daher stellt sich die Frage, warum nicht gleich die probiotische Zubereitung mittels einer Darmspülung direkt auf die Schleimhaut sprühen, so wie es die Apotheken Umschau hier formuliert? Um Darmspülungen hygienisch durchzuführen, bieten sich Einweg-Einlaufbeutel an.

Sicher ist auch, dass eine gute Ernährung zu einem guten Produkt führt. Die Produkte Ihres Stuhlgangs sollten daher weder flüssig noch verstopft sein, sondern gleichmäßig zusammenhängend und ohne starken Geruch. Falls das nicht der Fall ist, sprechen Sie mit Ihrem Arzt und informieren sich weiter über das Gesundheitswissen, aber auch über sich selbst. Denn, was für den Schuster gut ist, ist für den Schneider noch lange nicht gut.

Ebenfalls empfohlen wird tägliches Herz-Kreislauf-Training, d.h. Trainieren bis zum Schnaufen und Schwitzen, wobei eine Überhitzung vermieden werden sollte. Nur, von den Empfehlungen wird es nicht besser. Den inneren Schweinehund immer wieder überwinden und es wirklich machen, nur das bringts. Langeweile auf dem Heimtrainer ist keine Ausrede, dafür gibt es Musik, Fernsehen oder virtuelle Trainingsapps.

Wenn Sie der englischen Sprache mächtig sind, dann bietet sich zur Vertiefung die Informationsseite der Majo-Klinik zur Divertikulitis-Diät an.

Im deutschen Sprachraum finde ich die Seite von Reizdarm.One zu Divertikulitis besonders hilfreich. Wenn sie dort etwas runter scrollen, dann sehen sie eine Diättabelle mit für Divertikultis-Phasen geeigneten Lebensmitteln.

Es gibt auch Stimmen, die sagen, das Wichtigste für eine langfristige Reduzierung der Häufigkeit und Stärke der Divertikulitisschübe ist eine Erhöhung der Darmmobilität. In der symptomfreien Zeit, also wenn keine Entzündung und keine Schmerzen vorliegen, soll dazu der Bauch in etwa wie bei der Yoga Übungen Agni Sara bewegt werden (Beine gespreizt, nach vorne über gebeugt, Bauch einziehen und ausatmen, dann Bauch mit reflexartigem Einatmen raus schnappen lassen). Das scheint bei mir zu wirken! Mein Zeit mit Divertikultis war von 2016-2019. Ich sehe daher davon ab, diesen Blog weiter zu pflegen…

Wie erwähnt, die von deutschen Ärzten für Patienten freigegebene Divertikulitis Fachinformation ist die S2k Leitlinie Divertikulitis. Die darin enthaltene Information kann Ihnen Ihr Arzt erklären.

Die von mir zusammengefassten Informationen sind keine gesundheitliche Beratung.

Schreibe einen Kommentar